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Gönnen Sie sich Zeit für Muße

Müßigsein hat nichts mit Leerlauf oder Langeweile zu tun. Es ist vielmehr eine Zeit des Innehaltens und der eigenen Ruhe, aus der neue Gedanken und Perspektiven entstehen können.

Muße – das klinkt altmodisch, denn das, was man früher Muße nannte, hat im beschleunigten, eng getakteten Alltag kaum noch Raum. Dabei ist es für die körperliche und seelische Gesundheit so wichtig, diese entspannte geistige Präsenz, dieses Einssein mit sich und der Welt immer wieder zu erleben. Wie also kann es gelingen, diese Zeiträume, die frei sind von Termindruck, Erwartungen und Ergebnissen, zurückzuerobern? Darüber sprachen wir mit Dr. Nicolas Dierks, Kulturwissenschaftler und Philosoph. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Frage: „Wie wollen wir leben?“

natürlich gesund und munter: Was macht es uns so schwer, Muße zu erleben?
Dr. Nicolas Dierks: Es gibt viele Gründe dafür. Einer davon ist, dass viele Menschen vergessen haben, was Muße wirklich ist. Sie verwechseln sie mit Leerlauf, Langeweile, Durchhängen, Trödeln oder Faulheit – und haben deshalb sogar ein schlechtes Gewissen. Doch Muße ist nichts von alledem. Auch ist Muße nicht einfach das, womit wir unsere Freizeit füllen, die bestenfalls der Erholung dient, oft genug aber der Optimierung von Fitness, Aussehen, Wohnung oder irgendwelchen Fertigkeiten. Einfach nichts zu tun oder nur den eigenen Impulsen zu folgen – dazu sind nur wenige in der Lage. Jede freie Minute, ob beim Arzt im Wartezimmer oder in der Bahn, wird dank mobilem Internet genutzt, um zu kommunizieren oder etwas zu erledigen.

Was ist falsch daran, an sich zu arbeiten oder Wartezeiten zu nutzen?
Nichts ist daran falsch. Aber es muss auch Zeit zum Innehalten geben. Viel Stress entsteht ja durch den Anspruch, ständig alles mitbekommen und unentwegt an alles denken zu müssen. Was steht noch auf der To-do-Liste, was darf ich auf keinen Fall vergessen? Das schafft eine permanente innere Unruhe. In unserer effizienzorientierten Informationsgesellschaft hinterfragen wir kaum den ursprünglichen Sinn von Losungen wie „carpe diem!“ (Nutze den Tag). Zweifellos enthalten sie die wichtige Botschaft, seine kostbare Lebenszeit möglichst sinnvoll zu nutzen. Aber das gleichzusetzen mit effizienter Erledigung von möglichst vielen Dingen ist ein Trugschluss – unser Leben wird dadurch nur immer hektischer und oberflächlicher. Dagegen sollten wir etwas tun.

Was also macht Mußestunden aus?
Erstens: Muße dient nicht einer subtilen Erfolgsmaximierung. Zweitens: In der Muße ist man mit seinem Tun oder Nichtstun ganz bei sich, ohne bis zu einem Termin ein Problem lösen oder eine Aufgabe erledigen zu wollen. Das Fehlen von Zeitdruck ist etwas ganz Wesentliches. Kein Terminkorsett zu haben, halten manche jedoch kaum aus. Das „Ich müsste noch etwas tun“ ist zu einem Lebensgefühl geworden. Dadurch wird es schwer, einfach den Moment zu schätzen. Zudem ist die Multitasking-Einstellung „Währenddessen könnte ich auch schon mal ...“ häufig kontraproduktiv. Wir können gar nicht mehrere Dinge gleichzeitig wirklich konzentriert machen. Lesen Sie den vollständigen Beitrag in Ausgabe 06/2015.

Illustration: Huza/shutterstock.com

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