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Kolumne: Ruhe finden in Zeiten von Stress und Unruhe

Kolumne von Dr. med. Isabel Bloss, Ärztin mit eigener Praxis, Schwerpunkt Anthroposophische Medizin, Homöopathie und TCM, gibt Antworten auf Lebensfragen, mit denen sie bei ihrer Arbeit konfrontiert wird.

Hetze und allgemeine Hektik sind für viele Menschen fast schon Alltag. Immer öfter begegnet mir deshalb die Frage, wie wir wieder zu mehr innerer Ruhe, Gelassenheit und einem Gefühl von Frieden kommen können. Eine gute Antwort darauf ist in der uralten Weisheit des Taoismus verborgen: Es ist das Zusammenspiel von Yin und Yang. Wie können wir dieses Prinzip alltagstauglich machen und auf dem Weg zu mehr Sammlung nutzen?

Ein bisschen Theorie hilft zunächst weiter: Das Yang ist aus Sicht der asiatischen Weiheitslehre des Taoismus die sonnige Seite des Berges, unsere Kraft und Aktivität, unser Tun, und es verkörpert die männliche Seite in uns. Yin dagegen ist die schattige Seite des Berges, die Ruhe, Sammlung, die Passivität und das weibliche Prinzip.

Unsere Welt ist Yang-lastig geworden: Wir alle sind  viel zu aktiv, verspüren manchmal vielleicht auch eine gewisse Aggression und Ungeduld, wenn es nicht schnell genug geht. Aus diesem Zeitgeist entsteht Stress mit seinen typischen Symptomen und Folgeerkrankungen. Das Stille, Ruhige in uns können (oder wollen) wir nicht mehr spüren.

Ich finde, sich dieser Polarität wieder mehr bewusst zu werden, hilft auf dem Weg zu mehr Gelassenheit und Zufriedenheit in unserem Leben. Allein zu spüren, dass ich wieder mal im Yang-Modus bin, lässt mich innehalten. Dann kann ich in meinem Tun mehr Langsamkeit und Sammlung anstreben und nicht in der gewohnten Hektik weitermachen. Sich bewusst mehr Zeit zu nehmen für unser Yin, den Gegenpol zum Stress, heißt auch, weniger zu TUN und öfter mehr zu SEIN. Dieser Gedanke ist neu, er muss zunächst verinnerlicht und geübt werden. Irgendwann spüre ich, wie durch bewusste Auszeiten, die ich mir nehme, um mich zu sammeln oder eben einfach gar nichts zu tun, eine neue Kraft in mir erwächst. Yin und Yang sind untrennbar miteinander verbunden, und das Yin zu nähren heißt zugleich, das Yang aufzufüllen, denn davon gibt es nun einmal keinen endlosen Vorrat, auch wenn wir häufig leben, als wäre es so. Seelische und körperliche Erkrankungen haben ihre Ursache oftmals in einem Mangel an Yin. Yin mag die Stille, das Schweigen, seine Zeit ist die des Mondes, der Kühle und der Nacht. Ich möchte Sie inspirieren, Ihre eigenen inneren Bilder dazu zu entwickeln, die Sie in unruhigen Zeiten in sich finden und als Quelle neuer Kraft nutzen können.

Man muss für neues Yin nicht jeden Tag meditieren oder stundenlang schweigen (auch wenn beides hilfreich ist). Aber eigentlich reicht es zunächst, mir in Phasen von aufkommender Hektik und Unruhe bewusst zu werden, dass ich gerade dabei bin, in den permanenten Yang-Modus zu verfallen. Dann kann ich mein Tun verlangsamen, kann langsamer sprechen und mir klarmachen, dass diese Entschleunigung keine Verzögerung meiner Pläne bedeutet, sondern das Gegenteil: Ich sammle Kraft im Yin und kultiviere es für mich – um für das künftige Yang wieder bereit zu sein. Diesen Beitrag finden Sie in Ausgabe 2/2019.


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