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Sich selbst an die Hand nehmen 1

Psychologie: Eigensinn tut gut! Diplom-Psychologin Ursula Nuber im Gespräch mit Ute F. Wegner

Ein „Nein“ zur richtigen Zeit macht stark und gesund. Doch vielen Menschen fällt das schwer. Sie sind immer nett und freundlich, stets hilfsbereit für alle da – und vergessen dabei sich selbst. Ihnen mangelt es an Eigensinn, denn erst der führt sie zu sich selbst, bewahrt Kraft und Energie, wacht über Leib und Seele. Ursula Nuber, Diplom-Psychologin und Chefredakteurin der Zeitschrift „Psychologie heute“, hat ein neues Buch zu diesem Thema geschrieben. Sie ermutigt uns, die eigensinnigen Anteile unserer Persönlichkeit zu erwecken, damit wir natürlich, gesund und munter durchs Leben gehen können.

natürlich gesund und munter: Ihr neues Buch handelt vom Eigensinn. Warum?
Ursula Nuber: Anstoß war mein Buch über Frauen mit Depressionen. Der Mangel an Eigensinn und eigenem Willen hat sie krank gemacht. Bei der Arbeit wurde aber deutlich, dass das uns alle betrifft. Eigensinn ist die Grundvoraussetzung, um seelisch stabil und gesund zu bleiben! Er stärkt das seelische Immunsystem, und Gefühle wie Resignation, Hilflosigkeit und Ärger haben einen nicht in der Hand. Das schützt vor Stresserkrankungen wie Depression und Burnout. Eigensinnige Menschen sind gesünder und leben länger. Eigensinn ist der Leib- und Seelenwächter!

Was bedeutet Eigensinn genau?
Das ergibt sich aus dem Wort: Einen eigenen Sinn im Leben finden, und zwar nicht in den großen Fragen des Lebens, sondern jeden Tag, bei allem, was ich tue, wie ich handle und reagiere. Wenn einen etwa eine Freundin bittet, morgen ein Päckchen für sie zur Post zu bringen und das nicht in den eigenen Tagesplan passt, dann sagt ein eigensinniger Mensch das auch.

Aber ist das nicht sehr egoistisch?
Nein, ganz und gar nicht! Das wird oft falsch verstanden. Eigensinn und Egoismus sind zwei völlig verschiedene Dinge. Ein Egoist antwortet auf eine Bitte mit einem scharfen „Nein“. Jemand, der eigensinnig ist, sagt, er würde es gerne tun, habe aber morgen einen langen Tag und sucht nach einer gemeinsamen Lösung. Ein Egoist hat nur sich selbst im Blick, ein Eigensinniger bleibt bei sich, sieht aber auch das Bedürfnis der anderen.

Wie sind eigensinnige Menschen?
Ein eigensinniger Mensch fragt sich: „Will ich das?“ und achtet auf seine inneren Impulse. Was spüre ich, wenn ein Freund zum Beispiel unbedingt einen James-Bond-Film im Kino sehen möchte, was sagt mein Bauch dazu? Spüre ich Widerstand, ein unangenehmes Gefühl oder sogar Ärger? Dieser Impuls ist immens wichtig! In der Psychologie nennen wir das somatische Marker, das heißt, der Körper gibt uns Signale für das, was uns gut tut und was nicht. Neben der Achtsamkeit für die eigenen Impulse zeichnet eigensinnige Menschen aus, dass sie sich selbst wichtig nehmen: Sie erzählen von sich, finden interessant, was sie tun, weisen stolz auf Dinge hin, die ihnen gut gelungen sind. Mangelt es dagegen an Eigensinn, spielt man seine Leistung eher herunter.

Woran erkenne ich, ob ich eigensinnig bin?
Wenn ich immer gehetzt und erschöpft bin von all den Dingen, die ich meine, erfüllen zu müssen, und nie Zeit für mich habe, ist das ein Indiz dafür, dass ich nicht eigensinnig bin. Menschen, denen der Eigensinn fehlt, streben immer nach Harmonie und wollen Konflikte vermeiden. Sie fühlen sich als Auftankstation für andere und grübeln ständig über gemachte Fehler, anstatt sie sich einfach mal zu erlauben. Lesen Sie den vollständigen Beitrag in Ausgabe 04/2016.

Illustration: CSA-Printstock – istockphoto.com

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