Werthaltige Wiesen

Streuobstwiesen sind Schatzkammern der Natur. An knorrigen Obstbäumen reifen besonders aromatische Früchte, und die von Menschen gemachten Naturparadiese bieten Lebensraum für zahlreiche Wildtiere. Hier verbindet sich Klimaschutz mit dem Erhalt historisch gewachsener Kulturlandschaften.

Gut 120 verschiedene Obstbäume gedeihen auf dem idyllisch gelegenen Rosenlehen in Faistenau nahe der Stadt Salzburg. Eine Herde Pinzgauer Ziegen weidet unter den Bäumen, in deren Astlöchern sich Siebenschläfer einquartiert haben. Auch die selten gewordenen Wiedehopfe sind hier im Frühjahr zu sehen. In den Bäumen summen die Bienen eines benachbarten Imkers, und im Inneren des kleinen Hofs duftet es nach Apfelkuchen. Im Keller lagern Fässer mit Saft, Essig und Most sowie Weckgläser mit eingemachtem Obst. Es ist das Reich von Josef und Tanja Wesenauer, die über die Jahrzehnte ein wahres Naturparadies erschaffen haben. Für sich selbst und ihre Kinder – und für ungezählte Wildtiere und Vögel, Insekten und Kleinstlebewesen. In den Streuobstwiesen rund ums Haus finden sie Trittstein-Biotope zum Zwischenlanden und Energietanken, aber auch langfristigen Unterschlupf und Nahrungsquelle. Spaziergänger kommen in den Genuss einer Kulturlandschaft, die typisch ist für die Region, aber im Lauf der Zeit immer seltener wurde.

Landschaftsprägendes Kulturerbe

Streuobstwiesen prägten in Ländern wie Deutschland, Österreich und Slowenien über Jahrhunderte das landschaftliche Erscheinungsbild und waren damit ähnlich identitätsstiftend wie die uralten Olivenhaine Italiens oder Griechenlands. Heute zählt der Streuobstanbau, schon im 17. Jahrhundert belegbar, in diesen Ländern zum Immate­riellen Kulturerbe der Unesco. Ehedem mussten die Bauern den Großteil der Ernte an den Lehensherrn abgeben, woran bis heute der Begriff „Tafelobst“ erinnert.

Die Geschichte der Streuobstwiesen ist lang und wechselreich: Erfüllten sie früher die Funktion, die Bauersfamilien samt umliegender Nachbarschaft den Winter über mit Obst zu versorgen, verloren sie nach dem Zweiten Weltkrieg und mit zunehmender Industrialisierung der Landwirtschaft immer stärker an Bedeutung. Josef Wesenauer, Obmann des Salzburger Landesverbandes für Obst- und Gartenbau, bedauert das: „Heute gelten Feldraine, Hecken und Obstbäume als Landschaftselemente. Unterschiedliche Bestrebungen oder staatliche Reglementierungen hatten und haben zum Ziel, sie unter Schutz zu stellen, führten jedoch oft zu gegenteiligen Effekten. So wurden Bäume häufig vor Inkrafttreten dieser Bestimmungen gefällt, ganze Obstgärten wurden gerodet, da viele Landwirte Angst hatten, dass ihnen danach die Hände gebunden seien.“ Zum Glück sei seit einigen Jahrzehnten ein Gegentrend spürbar, Streuobstwiesen rückten wieder vermehrt ins Bewusstsein: „Gerade junge Leute besinnen sich auf deren Wichtigkeit, und nicht nur Landwirte.“ Mittlerweile werden mehr als die Hälfte aller Streuobstwiesen im außerlandwirtschaftlichen, also privaten Bereich angelegt und erhalten.

Den kompletten, ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserem Magazin NATÜRLICH GESUND UND MUNTER 02/2026

 

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