Der Gleichgewichtssinn will trainiert sein, das gilt gerade für Menschen, denen immer wieder schwindelig wird. Wir stellen gezielte Übungen vor, die im Liegen, Sitzen, Stehen oder Gehen ausgeführt werden können. Sie wirken sowohl vorbeugend als auch therapiebegleitend.
Schwindel ist ein Symptom, das Menschen jeden Alters treffen kann. Bei den einen ist es ein kurzer Drehschwindel beim Aufstehen, bei anderen ein anhaltendes Gefühl, als stünden sie auf einem schaukelnden Boot. Manche erleben Benommenheit, manche Gangunsicherheit, fast so, als wären sie betrunken. Das kann zur Belastung im Alltag werden, etwa beim Sport oder im Beruf, denn Schwindel und Sturzangst machen unsicher.
Auch wenn viele Schwindelpatienten am liebsten still sitzen oder liegen bleiben würden, hilft ihnen genau das Gegenteil: Nur durch Bewegung lernt das Gehirn, Informationen aus den Sinnesorganen, die sich durch Alter oder Krankheit verändert haben, wieder richtig zu bewerten. Gezielte Blick-, Balance- und Gehübungen aktivieren die noch erhaltenen Systeme und die Nervenverbindungen im Gehirn. Verloren gegangene Funktionen werden ausgeglichen, damit aus Unsicherheit und Schwindel Schritt für Schritt wieder ein sicheres, stabiles Körpergefühl entsteht.
Eine höchst komplexe Leistung unseres Körpers
Der Blick darauf, wie Gleichgewicht überhaupt entsteht, macht deutlich, warum das so ist. Unsere Balance formt sich nämlich nicht an einem einzelnen Ort, sondern durch das perfekte Zusammenspiel von drei Systemen: dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr, den Informationen, die wir über die Augen erhalten, und der Körperwahrnehmung, die über spezielle Rezeptoren in Muskeln, Gelenken, Sehnen und der Haut entsteht. Sie melden dem Gehirn, wie stark ein Muskel angespannt ist, wie ein Gelenk steht oder wie sich der Körper im Raum bewegt. Durch diese präzise, unbewusste Steuerung aller Bewegungen wissen wir automatisch, ob wir aufrecht stehen, wie weit wir den Arm heben oder wie wir unser Gleichgewicht halten müssen. All diese Informationen werden im Gehirn verarbeitet und ständig abgeglichen. Passen alle Signale zusammen, erleben wir Stabilität. Gezielte Übungen haben sich deshalb besonders bei Formen von Schwindel bewährt, die das Gleichgewichtssystem direkt betreffen oder bei denen das Gehirn lernen muss, Bewegungsreize wieder besser zu verarbeiten.
Wann zum Arzt?
Wenn Schwindel ...
- länger anhält,
- ohne ersichtlichen Anlass und „aus heiterem Himmel“ auftritt,
- sich als Schwenken des Bodens äußert,
- durch bestimmte Bewegungen, zum Beispiel des Kopfes, ausgelöst wird.
- von Übelkeit, Kopf- oder Ohrenschmerzen, Ohrgeräuschen, Hörproblemen, Fieber, Benommenheit, Ohnmacht, Müdigkeit, Herzstolpern oder Atemnot begleitet wird,
- während einer Grippe oder anderen Infektionskrankheiten beginnt,
- regelmäßig in bestimmten Situationen, z.B. im Auto, im Lift oder in Menschenmengen auftritt.
Übungen helfen oft, wenn auch nicht immer
Sehr gute Ergebnisse zeigen Übungen beim vestibulären und beim funktionellen oder phobischen Schwindel (siehe Kasten „Hintergrund“, Seite 55). Bei Störungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, dem vestibulären Schwindel, helfen vor allem Übungen zur Blickstabilisation, Geh- und Balanceübungen sowie kontrollierte Kopfbewegungen, die die Anpassungsfähigkeit des Gehirns fördern. Bei funktionellem oder phobischem Schwindel stehen nicht nur Gleichgewicht und Orientierung im Fokus, sondern auch das Wieder- gewinnen von Bewegungsvertrauen durch Balanceübungen, visuelles Training sowie Gehübungen mit Kopfbewegungen. Entspannungs- und Atem- techniken sowie Verhaltenstherapie reduzieren zudem eine Überempfindlichkeit auf Reize und beruhigen das Gleichgewichtssystem. Das hilft dem Gehirn ebenfalls, aus dem Alarm- modus herauszufinden. Auch Schwindel nach längerer Inaktivität oder Bewegungsmangel spricht gut auf regelmäßiges Gleichgewichts- und Gehtraining an. Es aktiviert Muskulatur, Kreislauf und Wahrnehmung – und führt zu mehr Stabilität.
Den kompletten, ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserem Magazin NATÜRLICH GESUND UND MUNTER 02/2026
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