Kaum ein Forschungsfeld liefert derzeit so viele neue Erkenntnisse wie die Alternsforschung. Bringt dies den Traum, Alterungsprozesse zumindest teilweise zu verlangsamen oder umzukehren, in greifbare Nähe? Ein Überblick über die neuesten Ergebnisse.
Gesund und munter alt werden – wer wünscht sich das nicht? Studien decken immer mehr gesundmachende und verjüngende Faktoren auf, die dazu beitragen können, den Lebensabend körperlich vital und geistig fit möglichst lange zu genießen.
Funktionierende Mitochondrien
Typisch fürs Älterwerden ist, dass für Stoffwechselprozesse immer weniger Energie zur Verfügung steht. Denn mehr als 90 Prozent der Energie für die Prozesse im Körper liefern die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen. Mit zunehmendem Alter laufen sie allerdings immer unrunder. Hochwertige Studien weisen nach, dass und wie die Pflege der Mitochondrien zu mehr gesunden Lebensjahren verhilft.
>> Mitochondrienbooster Mittelmeerdiät
Mediterrane Ernährung verhilft nicht nur zu mehr Lebensjahren, sondern auch zu mehr gesunden Jahren, da sie die Funktion der Mitochondrien verbessert. In einer aktuellen Studie wollten Forscher nun herausfinden, ob sich das auch im Blut anhand von Mikroproteinen zeigt, die gesündere Mitochondrien vermehrt produzieren. Das Ergebnis: Wer sich mediterran ernährt, hat höhere Werte an Humanin und SHMOOSE (Small Human Mitochondrial ORF Over SErine tRNA) im Blut, und der oxidative Stress ist deutlich verringert. Diese beiden Mikroproteine haben nicht nur selbst eine Anti-Aging-Wirkung, regulieren die Herzfunktion und wirken nervenschützend. Humanin und SHMOOSE steigern auch die Energieproduktion. Die Forscher konnten zudem herausfinden, was konkret die Mitochondrien-Mikroproteine besonders boostet. Bei Humanin sind es Olivenöl, Fisch und Hülsenfrüchte, bei SHMOOSE ist es neben Olivenöl der nur geringe Verzehr von Brot aus stark raffiniertem Mehl.
>> Bisher unbeachtetes Mitochondriengift
Quartäre Ammoniumverbindungen, kurz als Quats bezeichnet, werden viel in Betrieben – gerade auch in der Lebensmittelproduktion – als Desinfektionsmittel verwendet. Sie stecken auch in vielen Haushaltschemikalien. Die Quats wirken desinfizierend, indem sie die Zellmembran von Bakterien angreifen. Im Menschen schädigen Quats aber auch das komplexe Membran-Labyrinth der Mitochondrien, wo über einen eng geregelten Grenzverkehr geladene Teilchen so verschoben werden, dass die Energie gesund gewonnen werden kann. Quats werden fast nicht über Haut oder Darm aufgenommen und galten deshalb bislang als unproblematisch. Doch nun haben Forscher von der Universität von Kalifornien an Labormäusen nachgewiesen, dass die Quats über die Lungen sehr gut in den Körper gelangen können und dass die eingeatmeten Quats 100-mal schädlicher wirken, als wenn die gleiche Menge über den Verdauungstrakt in den Körper gelangt. Besonders heikel sind nach der aktuellen Studie Nasensprays, denen das Quat Benzalkoniumchlorid als Konservierungsstoff zugesetzt wird. Aber auch über so manche Haarsprays und desinfizierende Glasreiniger kann man die Atemluft mit Quats belasten. Zudem können auch bei umfänglicher Anwendung in Flüssigform erhebliche Mengen schließlich im Hausstaub landen und mit dem Staubsauger aufgewirbelt werden. Die Quats werden kaum biologisch abgebaut und werden so übers Abwasser zur Gefahr für aquatische Ökosysteme, deren Mitspieler auch vom Aufbau gesunder Membranen abhängig sind. Deshalb sind ökologische Reinigungsmittel die beste Lösung.
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Foto: geralt stroke / pixabay.com