Quelle unseres Lebenslichts - Gesunde Nieren

In unserem Körper- und Gesundheitsbewusstsein fristet die Niere oft ein Schattendasein, dabei ist sie eine Superheldin: Das paarige Organ – wir haben normalerweise je eine Niere links und rechts der Wirbelsäule – reinigt das Blut, reguliert zusammen mit dem Herzen den Blutdruck und beeinflusst unser seelisches Wohl. Deshalb ist es so wichtig, dass wir schon frühzeitig alles tun, um ihre Funktion zu stärken. Grundvoraussetzung dafür ist, Probleme früh zu erkennen und zu wissen, wie wir die Nieren schützen können. So bleibt uns der Quellort unseres inneren Lichts lang erhalten.

Die Nieren gehören zu den wichtigsten Schaltstellen im menschlichen Körper. Ohne Pause arbeiten sie – Tag für Tag, ein Leben lang. Dass wir gleich zwei der bohnenförmigen, nur etwa 130 bis 150 Gramm schweren Organe besitzen, zeigt ihre zentrale Rolle im Organismus. Und doch stehen die Nieren selten im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. „Viele denken, dass die Niere nur für die Produktion des Urins zuständig ist“, sagt Dr. med. Jacob Gruber, Chefarzt der Inneren Medizin und Kardiologe am Gemeinschaftskrankenhaus Witten/Herdecke. Ein Fehlschluss, denn  tatsächlich übernimmt das Organ zahlreiche lebenswichtige Aufgaben. Besonders eng ist die Verbindung zwischen Herz und Nieren, wie auch der Volksmund weiß – Fachleute sprechen deshalb von einer engen  „Herz-Nieren-Achse“. Sind die Nieren geschädigt, erhöht sich das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Herz-Kreislauf-Erkrankungen wiederum belasten das Organ besonders.

Auch die Nieren altern, und das oft unbemerkt. Deshalb ist es wichtig, die Nierenfunktion im Auge zu  behalten und Warnzeichen ernst zu nehmen. Eine frühe Diagnose und ein gesunder Lebensstil können entscheidend dazu beitragen, die Chronische Nierenkrankheit aufzuhalten oder zu verhindern – und Nieren und Herz bis ins Alter gesund zu erhalten.  

Ein inneres Strahlen

Es ist die Niere, die den Körper von schädlichen Stoffen und Abbauprodukten reinigt, ähnlich einer Kläranlage. Sie  reguliert den Wasser- und Salzhaushalt, beeinflusst den Blutdruck, steuert hormonelle Prozesse und trägt wesentlich dazu bei, dass Knochen und Gehirn, vor allem aber Herz und Gefäße gesund bleiben. Es ist deshalb kein Zufall, dass ganzheitliche und komplementäre Medizinsysteme die Niere besonders würdigen. In der 3000 Jahre alten Chinesischen Medizin ist die Niere das Fundament des menschlichen Körpers, Sitz und Speicher der Lebensenergie und eng verbunden mit dem Innersten des Menschen, mit Knochen, Mark und Gehirn. Hildegard von Bingen (1098–1179), die große Ärztin des Mittelalters, schrieb: „Wer die Nieren pflegt, stärkt die Quelle des Lebens.“ Auch die Anthroposophische Medizin misst der Niere eminente Bedeutung zu. Bei Rudolf Steiner (1861–1925), dem Gründer der Anthroposophie, repräsentiert die Niere den Astralleib, den Quellort des Lichts (mehr zur anthromedizinischen Sicht auf die vier Wesensglieder siehe Kasten Seite 14). Was damit gemeint ist, beschreibt der anthroposophische Arzt Dr. med. Volker Fintelmann in seinem kürzlich erschienenen kleinen Buch „Vom Wesen der Niere und ihrer Beziehung zur Seele“ (Info 3 Verlag): „Von beiden Nierenorganen strahlt ein ständiger Lebensstrom radiär in den ganzen Organismus. Und dieser Strom leuchtet. Er ist Licht.“

Doch ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Leistung der Niere jährlich um etwa ein Prozent ab. Rund die Hälfte der Menschen über 70 weist eine eingeschränkte Nierenfunktion auf, viele ohne es zu wissen. Gerade Ältere geraten oft in einen gefährlichen Kreislauf aus nachlassender Nierenfunktion und zunehmenden Herzproblemen. Das Tückische daran: Nierenschäden entwickeln sich meist langsam und bleiben lange symptomlos. Sind sie aber erst einmal fortgeschritten, lassen sie sich häufig nicht mehr rückgängig machen. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie das Organ arbeitet, was ihm schadet und was es braucht, um gesund zu bleiben.

Unermüdlich bei der Arbeit
Dabei sind die Nieren ohne Unterlass tätig, zumal das gesamte Blutvolumen etwa 300-mal pro Tag durch sie hindurch gepumpt wird, was rund 1500 bis 1800 Litern entspricht. Aus dieser Blutmenge entstehen etwa 150 bis 180 Liter Primärharn, am Ende werden aber nur etwa ein bis zwei Liter Urin pro Tag ausgeschieden. „Den allergrößten Teil resorbiert die Niere zurück“, erklärt die Nephrologin Prof. Dr. Sylvia Stracke von der Universitätsmedizin Greifswald. Schließlich sind im Primärhahn lebenswichtige Stoffe gelöst, darunter kostbare Salze wie Natrium, Kalium und Phosphat, aber auch Zucker, Aminosäuren und Vitamine.  

Ohne die Niere würde sich der Körper langsam selbst vergiften. Sie reguliert darüber hinaus den gesamten Flüssigkeitshaushalt und den Salzgehalt des Körpers, nährt somit Zähne, Knochen und Haare. Zudem hält sie den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht und sorgt so dafür, dass der pH-Wert des Blutes stabil bleibt. ­Ohne diese Mechanismen käme der Zellstoffwechsel zum ­Erliegen, und die rund 80 Billionen Zellen unseres Körpers könnten sich nicht erneuern. Versagen die Nieren, gerät der ganze Körper aus dem Gleichgewicht. Dennoch vernachlässigt die moderne Medizin dieses so wichtige Organ: Im Check-up 35 wird kein einziger ­Nierenwert kontrolliert.  

Die Niere – klein, fleißig und unverzichtbar

  • Jede Niere des Organpaars besteht aus sechs bis neun kegelförmigen Lappen (Lobi renales), die sich in Nierenmark (Medulla renalis) und Nierenrinde (Cortex renalis) gliedern.
  • Funktionelle Einheit der Niere ist das Nephron, von dem jede Niere etwa eine Million enthält. Ein Nephron besteht aus einem Nierenkörperchen (Glomerulus) und einem daran anschließenden Röhrensystem (Tubulus).
  • Die Nierenkörperchen sitzen in der Nierenrinde. Sie sehen wie rote Wollknäuel aus, da sie aus Kapillarschlingen bestehen.
  • Ein ausgeklügeltes Filtersystem umgibt die Ka­pillar­knäuel. Es sorgt dafür, dass große Bestandteile wie Eiweiße im Blut bleiben, während Wasser und kleine gelöste Stoffe den sogenannten Primärharn bilden.
  • Jedes Nierenkörperchen hat einen Gefäßpol und einen Harnpol, an den das Tubulussystem anschließt. In den Tubuli werden wichtige Stoffe wie Wasser, Salze, Zucker und Aminosäuren wieder in den Körper zurückgeführt, während Abfallstoffe im Harn verbleiben und schließlich als Endharn ausgeschieden werden.
  • Auf den oberen Polen der beiden Nieren sitzen wie kleine Kappen die Nebennieren. Sie produzieren Hormone wie Adrenalin, Kortisol und Aldosteron.

Die Macht der Hormone 

Die Leuchtkraft von innen, die immer wieder aufs Neue das Leben in uns entfacht, kennt auch der Volksmund, wenn er von „Ausstrahlung“ spricht. Bei werdenden Müttern bemerken wir etwa den Schwangerschafts-Glow und sagen „Du strahlst ja so“. Das ist den hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft zu verdanken, denn der Körper der werdenden Mutter produziert deutlich mehr Östrogen und Progesteron. Neben diesen stark wirkenden Sexualhormonen beeinflussen noch viele andere Hormone unsere Ausstrahlung. Produziert werden sie nicht nur von den Nebennieren, die wie kleine Mützen auf den Nieren sitzen, sondern auch von der Niere selbst.

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Den kompletten, ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserem Magazin natürlich gesund und munter 04/2026

Illustrationen: Freepik; Komposition: Michaela Mayländer

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