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Das innere Kind entdecken

Das Gefühl, angenommen und geliebt zu werden, braucht jeder Mensch. Unsere Kindheit entscheidet darüber, ob wir mit Selbstwertgefühl oder Unsicherheit durchs Leben gehen. Wer durchschaut, was sich im tiefsten Inneren abspielt, gewinnt Vertrauen und Freude am Leben.

Während der Kindheit entwickeln sich im Idealfall ein gesundes Selbstwertgefühl und eine Sicherheit, auch dann willkommen zu sein, wenn man Fehler macht. Aber Eltern prägen ein Kind ganz unterschiedlich, was später zu scheinbar unerklärlichen Problemen führen kann. Stefanie Stahl, Psychologin und Psychotherapeutin in Trier, hilft Menschen, ihr „inneres Kind“ zu verstehen, anzunehmen und wertzuschätzen. Doro Kammerer hat für uns mit ihr gesprochen.

natürlich gesund und munter: Was ist mit dem Begriff „inneres Kind“ gemeint?
Stefanie Stahl: Das „innere Kind“ ist eine Metapher in der Psychologie, die für die Summe unserer kindlichen Prägungen – positive wie negative – steht. Diese Prägungen beeinflussen im Unterbewusstsein unser Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Handeln und damit unser Lebensgefühl. Depressive Verstimmungen, Stress, Zukunftsangst, mangelnde Lebensfreude, Angstzustände und letztlich Beziehungsschwierigkeiten gehen auf belastende Prägungen unseres inneren Kindes bzw. auf unser Selbstwertempfinden zurück. Denn letzteres wird weitgehend bestimmt durch innere Glaubenssätze, das sind seit Kindertagen tief verankerte Überzeugungen. Beispiele für positive Glaubenssätze sind „Ich werde geliebt!“, „Ich bin willkommen!“ oder „Ich bin geschickt!“ Negative Glaubenssätze können sein: „Ich bin nicht wichtig!“, „Ich bin lästig!“, „Ich bin hilflos!“.

Und solche Sätze begleiten einen dann durch das ganze Leben?
Nein, so einfach ist es nicht. Diese inneren Glaubenssätze sind meist unbewusst, sie sind aber Wegbereiter für Gefühle. Niedergeschlagenheit, Selbstzweifel, Gefühle von Wertlosigkeit, Versagensängste, aber auch Befindlichkeitsstörungen ohne organische Befunde können von negativen Glaubenssätzen ausgelöst werden. Diese inneren Grundüberzeugungen bewirken meist, dass man sich chronisch schlecht fühlt, obwohl man eigentlich keinen Grund zu haben scheint. Man fühlt sich nicht von morgens bis abends mies, aber das schlechte Gefühl kann ganz leicht angetriggert werden. Also strebt man danach, das verletzte innere Kind wegzudrängen beziehungsweise sich so zu verhalten, dass man die negativen Glaubenssätze möglichst nicht spürt.

Außerdem ist man bemüht, dass auch die anderen nicht merken, wie ungenügend man sich in Wahrheit fühlt. Die tiefen inneren Überzeugungen sind also zwar unbewusst, aber auf der bewussten Ebene wird ganz viel dafür getan, um diese Überzeugungen zu entmachten. Dazu dienen vielfälige Schutzstrategien, welche die Betroffenen oft schon sehr früh in der Kindheit entwickelt haben, deren Zweck sie aber selten durchschauen. Diese Selbstschutzmaßnahmen sind meistens problematische Verhaltensweisen wie Realitätsverdrängung, das Streben nach Perfektion und Harmonie oder aber auch eine übersteigerte Sucht nach Macht und Anerkennung.

Warum ist es so schwer, diese Muster zu entlarven?
Weil diese tiefen Überzeugungen auf verhängnisvolle und schwer durchschaubare Weise die eigene Wirklichkeit gestalten. Ein Beispiel: Jemand lebt mit den Glaubenssätzen „Ich genüge nicht, ich bin nicht interessant, ich bin nirgends wirklich willkommen“. Wenn dieser Mensch nun zu einer Party oder zu einem Abendessen eingeladen ist, geht er selbstverständlich davon aus, von den anderen so gesehen zu werden, wie er sich selbst sieht. Lesen Sie den vollständigen Beitrag in Ausgabe 01/2016.

Illustration: Anna Ivanir/shutterstock.com

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