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Mit Ayurveda im Winter Kraft tanken

Neigt sich das Jahr dem Ende zu, sehnen sich die meisten nach Ruhe und Erholung. Eine Ayurveda-Kur in heimischen Gefilden lässt sich besonders gut mit dem Winterurlaub kombinieren.

Ständiger Zeitdruck, Reizüberflutung und Mehrfachbelastung setzen den Menschen heutzutage mächtig zu. Am Ende des Jahres fühlen sich viele deshalb gestresst, erschöpft und müde. Eine authentische Ayurveda- Therapie bietet die Chance, sich zu regenerieren und wieder zu erden. Nach der Devise „Nichts wie weg hier“ zieht es im Winter viele Menschen deshalb in das Ursprungsland der traditionellen indischen Medizin, Reiseunternehmen locken mit dem Versprechen, ein paradiesischer Urlaub in Sri Lanka oder im südindischen Kerala lasse sich wunderbar mit einer Ayurveda-Kur verbinden. Tatsächlich ist eine Reise in die Tropen und damit eine andere Zeitzone aber sehr anstrengend und versetzt den Organismus in Unruhe. „Aus ayurvedischer Sicht strapazieren wir damit zusätzlich Vata“, erklärt Dr. med. Ulrich Bauhofer, einer der führenden Ayurveda-Experten in Deutschland mit eigener Praxis in München. Und weil die meisten Menschen eine klassische Vata-Störung haben, sind Fernreisen für sie eine zusätzliche Belastung (mehr zu den drei ayurvedischen Konstitutions­typen Vata, Pitta und Kapha finden Sie im Info-Kasten auf Seite 91). Auch bei Menschen mit einer Pitta-Störung kann ein Aufenthalt in der Wärme gesundheitliche Probleme hervorrufen und Entzündungen auslösen.

Die dunkle Jahreszeit fördert die innere Ruhe
Auch wenn vielen vor der kalten Jahreszeit graust, so beeinflusst der Winter den Organismus des Menschen durchaus positiv. Der Schnee dämpft den Lärm der Zeit im Außen wie auch im Inneren, und die früh einsetzende Dunkelheit regt die Herstellung des Schlafhormons Melatonin an. Das hilft, zur Ruhe zu kommen und sich zu besinnen. Da gerade im Ayurveda das „Zur-Ruhe-Kommen“ ein Hauptanliegen ist, kann die winterliche Atmosphäre die Wirksamkeit der ayur­vedischen Anwendungen sogar verbessern.
Wer die Zeit zwischen den Anwendungen für Spaziergänge oder Langlauf in der kalten Luft nutzt, fördert das „Bala“: Das ist die Kraft, die die Widerstandsfähigkeit gegenüber Kälte und Wärme stärkt und das Immunsystem ankurbelt. Der Wechsel von warmen Ölanwendungen, Ruhephasen und moderater Bewegung an der frischen, kalten Luft stellt die verloren gegangene Einheit von Körper, Geist und Seele schnell wieder her. Aus ayurvedischer Sicht gibt es dabei aber einiges zu beachten: So sollten sich Menschen mit Vata-Dominanz oder einer Vata-Störung besonders warm einpacken und Wind möglichst meiden. „Kälte können sie durch warme Getränke kompensieren. Auch fetthaltige Suppen und der Besuch einer heißen Dampfsauna tun ihnen gut“, rät Dr. Bauhofer. Auch der Kapha-Typ verträgt kalte, feuchte Luft nicht gut. Er kann diesem Klima mit finnischer Sauna und scharf gewürzten Speisen trotzen. Nur Menschen mit einer Pitta-Dominanz kann Kälte so leicht nichts anhaben.

Authentischer Ayurveda im Schwarzwald
Es gibt in Deutschland und Österreich eine ganze Reihe von Kurzentren, die das gesamte Spektrum dieser 5000 Jahre alten ganzheitlichen Medizin auch im Winter anbieten. Allerdings liegen nur sehr wenige in Wintersportregionen oder haben sich auf authentischen Ayurveda spezialisiert. Eines davon, das Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee (siehe Fotos Seite 89), liegt mitten im Naturpark Südschwarzwald, dessen Reizklima Lungen und Bronchien reinigt und so die Wirkung der ayurvedischen Therapie begünstigt. Die fünf Ayurveda-Therapeuten des Vier Jahreszeiten stammen aus Sri Lanka. Sie verfügen über eine fundierte Ayurveda-Ausbildung und langjährige praktische Erfahrungen. Ärztlicher Leiter der Ayurveda-Abteilung ist Dr. Lalith Wasantha, der in Sekundenschnelle mit Hilfe der Puls- und Zungendiagnose den Konstitutionstyp eines Gastes bestimmen kann. Für die warmen Ölanwendungen werden ausschließlich medizinische Kräuteröle und Kräuterpräparate aus Sri Lanka verwendet. Das Angebot an Regenerations-Kuren ist groß und reicht von der Ayurveda-Kur zum Kennenlernen über die „Pause vom Alltag“ bis zur sechstägigen Kur „Revitalisierung für Körper und Geist“. Diese bietet ein reinigendes Intensivprogramm, das die Leistungskraft stärken und körperliche Verspannungen lindern soll. Das Ayurveda-Zentrum mit Behandlungsräumen, Ayurveda-Bistro und den Zimmern für die Gäste befindet sich auf einer separaten Etage des Hauses – eine Oase der Stille. Doch auch im Restaurant können Gäste ayurvedisch essen, und wer Lust auf Bewegung an der frischen Luft hat, steigt direkt am Hotel Vier Jahreszeiten in die Langlaufloipe ein oder nimmt an geführten Wanderungen teil.

Umfassend kuren in den Tiroler Alpen
Im Herzen der Tiroler Alpen, am Hochplateau des Thierseetals auf 900 Meter Höhe, liegt das Ayurveda Resort Sonnhof (siehe Fotos links). Der Inhaber Johann Mauracher und seine Familie sind von der ganzheitlichen ayurvedischen Lehre voll und ganz überzeugt und leben selber danach, soweit sich dies mit der europäischen Kultur vereinbaren lässt. Tochter Christina Mauracher leitet als ausgebildete medizinische Ayurveda-Spezialistin höchstpersönlich das Ayurveda-Zentrum. Dort bietet ein 15-köpfiges Team ein umfassendes Behandlungsspektrum an, von der Ayurdetox-Kurz­reinigung über intensive Entschlackungsprogramme und Jungbrunnen-Regenerationswochen bis hin zu zwei- und dreiwöchigen „Panchakarma-Kuren“ zur Entgiftung. Die Ärzte Gaurav Sharma und Dr. Alaettin Sinop erstellen nach der Pulsdiagnose und gründlicher Untersuchung Behandlungs- und Ernährungsprogramme und begleiten und beraten die Gäste während des gesamten Ayurveda-Aufenthalts.

Während der Kur ist Hochleistungssport nicht ratsam
Yoga- und Meditationskurse, die Maurachers andere Tochter Lisa leitet, runden alle Programme ab und helfen, sich mental zu reinigen. In dem im Vastu-Baustil errichteten Wintergarten befindet sich das Restaurant Indra Garden, in dem der Kurgast vegetarisch speisen kann. Wen es nach draußen zieht, der kann in der schönen Schneelandschaft seinen Drang nach Bewegung ausleben. Loipen befinden sich in fußläufiger Entfernung vom Hotel direkt am Thiersee. Im elf Kilometer entfernten Bayrischzell gibt es ein umfangreiches Loipennetz, das durch tief verschneite Landschaften und wunderschöne Täler führt. Von Hochleistungssport während einer Ayuveda-Kur rät Dr. Bauhofer allerdings ab. „Das ist kontraproduktiv, denn der Körper leistet beim Entgiften bereits Schwerstarbeit.“ Wichtig sei es im Ayurveda, immer auf seinen Körper zu hören und sich nur zu bewegen, wenn man Lust dazu verspürt. 

Die drei Grundkräfte des Ayurveda
Ayurveda heißt wörtlich übersetzt Wissen (Veda) vom Leben (Ayur). Er unterscheidet drei Grundkräfte, die sogenannten Doshas. Sie heißen Vata, Pitta und Kapha, bestimmen die Konstitution eines jeden Menschen und stehen in einem unterschiedlichen Kräfteverhältnis zueinander. Während Pitta die Stoffwechselaktivität steuert und Vata die Bewegungsabläufe wie das Ein- und Ausatmen, die Verdauung und die Beweglichkeit der Gelenke und Wirbel, bestimmt  Kapha die Struktur und Masse des Körpers und hat die Aufgabe, die Schleimhäute zu befeuchten. Außer diesen drei Grundtypen gibt es auch die Mischtypen: Vata-Pitta und Pitta-Kapha. Die Dominanz des einen oder anderen Doshas prägt unsere Persönlichkeit, unser Aussehen und unseren Lebensstil. Sind die Doshas ausgeglichen, ist der Mensch nach der Lehre des Ayurveda gesund und daher glücklich. Eine seelische ­Störung oder Erkrankung wird nach dem Ayurveda meist durch ein Ungleichgewicht der Doshas, also ein zu schwaches oder überschießendes Dosha, hervorgerufen. Diesen Beitrag finden Sie in Ausgabe 6/2017.

Informationen
www.drbauhofer.de
www.vjz.de/de/ayurveda-hotel-deutschland
www.sonnhof-ayurveda.at/

Foto: SalzburgerLand Tourismus, Text: Inge Behrens

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