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Akupressur bei Alltagsleiden - Schnelle Selbsthilfe

Stresskopfschmerz, nervöser Magen oder Ziehen im Rücken: Solche verbreitet auftretenden Beschwerden kann man auch per Fingerdruck wegmassieren, statt zu Tabletten zu greifen. Akupressur ist eine uralte Methode und so simpel, dass jeder sie anwenden kann.

Bei Verspannungen wandert die Hand automatisch zu Nacken oder Schultern, wer Kopfweh hat, massiert sich die Schläfen. Bei Beschwerden reagiert man also oft spontan richtig und berührt oder bearbeitet den schmerzenden Punkt. Das Problem: der Laie erwischt häufig Stellen, an denen das Drücken oder Kneten nichts oder nur wenig bringt. Dabei gibt es Körperstellen, über die solche Alltagsbeschwerden tatsächlich gelindert werden können, und zwar lediglich per Fingerdruck! Insgesamt 400 solcher Behandlungspunkte sitzen am Körper. Entdeckt hat sie schon die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Die ältesten schriftlichen Hinweise darauf sind 5000 Jahre alt. Als die Punkte erstmals mit den Fingerspitzen massiert wurden, war die sogenannte Akupressur geboren (die deutsche Bezeichnung leitet sich von den lateinischen Worten acus „Nadel“ und pressio „Druck“ ab). Erst viel später, wohl gegen 90 vor Christus, griff man zu Nadeln und „erfand“ so die Akupunktur (acus „Nadel“, punctio „das Stechen“). Beide Methoden, Akupressur und Akupunktur, wirken ähnlich, weil sie dieselben 400 Punkte am Körper bearbeiten. Diese liegen auf Leitbahnen, den sogenannten „Meridianen“. Darin fließt das „Qi“ (gesprochen: „Tschi“), die Lebensenergie. Stockt sie, entstehen aus Sicht der chinesischen Medizin Beschwerden. Durch das sanfte, aber bestimmte Drücken der Behandlungspunkte mit der Fingerspitze beginnt das Qi wieder zu fließen, die Blockade verschwindet, der Schmerz geht. So erklärt jedenfalls die TCM die Wirkung der Methode. Meridiane entsprechen keiner festgelegten und genau definierten anatomischen Struktur – manche dieser Orientierungslinien scheinen den Faszien und Muskelketten zu folgen, andere den Fasern des vegetativen Nervensystems. Trotzdem, das haben viele große Studien bewiesen, hilft Akupressur – auch wenn Schulmediziner noch immer rätseln, wie das genau funktioniert.

Kinderleicht und wirkungsvoll
Während ein Heilpraktiker oder Arzt die Akupunktur mit den Nadeln ausführen muss, ist Akupressur so unkompliziert, dass jeder sie anwenden kann. Dazu muss man nur wissen, wo die Akupressurpunkte für die eigenen Wehwehchen sitzen. Einige sind in der Darstellung rechts und auf der folgenden Seite zu sehen. Werden dort mehrere Punkte für ein bestimmtes Problem angegeben, ist es möglich, diese nacheinander zu bearbeiten. Gepresst wird mit der Fingerkuppe des Daumens, Zeige- oder Mittelfingers. Sie wird ins Zentrum des Punktes gesetzt und massiert dann kreisend im Uhrzeigersinn. Der Patient kann selbst erspüren, welcher Punkt am ehesten reagiert. Die schnelle Selbsthilfe wirkt am besten daheim und in entspannter Atmosphäre, aber sie funktioniert zur Not auch unterwegs, im Büro oder in der Bahn. Falsch machen kann man nichts, allenfalls eine unwirksame oder nicht die exakt richtige Stelle erwischen. In einer Studie ist das lediglich neun Prozent der Testpersonen passiert. Nur einige davon spürten daraufhin einen leichten Schwindel – ganz harmlos. Also: einfach mal ausprobieren!

Wie Akupressur angewendet wird:

  • Falls möglich, waschen Sie vorher die Händeund kneten sie leicht, dadurch werden die Finger empfindlicher. Fingerspitzen sanft auf den Akupressur-Punkt legen; kreisen, drücken oder klopfen. Bei akuten Beschwerden nicht zu viel Druck ausüben, bei chronischen Schmerzen fühlt sich ein fester Druck oft gut an.
  • Sie spüren, wenn Sie die richtige Stelle gefunden haben. Es prickelt leicht oder tut etwas weh, aber der Schmerz weicht schnell einem Wohlgefühl. Bearbeiten Sie den Punkt zwei bis drei Minuten; zumindest jedoch zehn Sekunden lang und dafür mehrmals hintereinander. Welche Variante gut tut, merken Sie selbst am besten. Bei häufigen Beschwerden ein- bis dreimal täglich behandeln.
  • Nach Möglichkeit im Sitzen oder Liegen und bei entspannter Atmosphäre anwenden.

Gründe, die gegen Akupressur sprechen

  • Bei anhaltenden Beschwerden ersetzt die Akupressur keinen Arztbesuch. Bei ernsten Krankheiten bitte erst abklären, ob Sie zur Unterstützung Akupressur machen dürfen. Nicht anwenden bei schwerer Herz-Kreislauferkrankung, geschädigten Knochen, Organen oder Muskeln und nicht auf gereizten, entzündeten oder verletzten Stellen.
  • Nicht nach üppigem Essen durchführen.

Diesen Beitrag finden Sie in Ausgabe 1/2017

Fotos: Erikreis/Thinkstock.de, Blackday/Fotolia.com

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