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Kolumne: Die Sprache unserer Organe

Kolumne von Dr. med. Isabel Bloss, Ärztin mit eigener Praxis, Schwerpunkt Anthroposophische Medizin, Homöopathie und TCM, gibt Antworten auf Lebensfragen, mit denen sie bei ihrer Arbeit konfrontiert wird.

In meiner Praxis erlebe ich oft, dass bei Patienten funktionelle Beschwerden ohne organischen Hintergrund diagnostiziert werden müssen. Dann hat die Erkrankung meist psychosomatische oder stressbedingte Hintergründe. Vor einigen Wochen kam eine Patientin in meine Sprechstunde, die das Gefühl von Ameisenlaufen in den Extremitäten hat, teilweise Missempfindungen bis hin zu Taubheitsgefühlen. Sogar beim Gehen leidet sie unter einer gewissen Unsicherheit. Die Patientin ist Ende 40 und ansonsten gesund, hat keine Risiken, wie etwa einen Diabetes mellitus oder einen erhöhten Alkoholkonsum, die diese Symptome hervorrufen oder fördern könnten. Auch eine neurologische Untersuchung brachte keinen Befund.

In Fällen wie diesem rate ich meinen Patienten, mit ihrem Körper wieder mehr ins Spüren und Fühlen zu kommen und nicht nur über den Verstand zu „funktionieren“. In der Psychosomatik gibt es einen wichtigen Erfahrungssatz: „Das Organ spricht zu uns.“ Wenn wir seine Sprache verstehen und bereit sind, auf seine Botschaft  zu hören, ist das eine gute Grundlage, chronische, auch teilweise unerklärliche Beschwerden nachhaltig zu verbessern.

Wenn Sie selbst an solchen Beschwerden leiden, fragen Sie sich: Was kann die Botschaft dieses Organs  sein? Es hilft, in die Stille zu gehen und auf Antworten oder Bilder zu warten, die unvermittelt auftauchen. Meist geht es um vergessene, vielleicht verdrängte Impulse, denen wir nicht folgen konnten. Als Symptom drängen sie an die Oberfläche, wollen gesehen und gefühlt werden. Davor haben viele Menschen Angst, denn der Verstand ist in unserer Zeit der wichtigste Ratgeber. Oftmals ist aber das Gefühl – die Intuition und das Unbewusste – der Kompass, den es zu entdecken gilt. Der Volksmund spricht davon, dass uns etwas „an die Nieren“ geht oder unser „Herz so schwer“ ist. Das sind nicht nur Sprüche, sondern es ist hier viel Wahrheit zu finden.

Wenn ich mich selbst wieder mehr spüre und auf mein Gefühl höre, muss mein Körper keine Taubheit produzieren. Ihr Körper hält in seiner unendlichen Weisheit Botschaften wie diese für Sie bereit. Wagen Sie es und spüren Sie hin, welche versteckte Botschaft in den Symptomen liegt, die Sie vielleicht schon seit Jahren quälen. Natürl­ich ist das nicht einfach, aber mit diesem Hinspüren haben Sie die Chance, an die wirklichen Ursachen zu kommen. Sie zu heilen, bedarf es dann oft gar keines Medikaments. Je nach Beschwerdebild, das bei jedem­ anders aussehen kann, geht es sozusagen um ein Entschlüsseln der Organsprache. Es kann dauern, sie zu lernen – aber es lohnt sich!

Meine Patientin hat im Laufe der Zeit gelernt, wieder mehr auf ihre Gefühle zu hören und diese auch zuzulassen. Daraus ergaben sich für sie neue Aspekte im Leben, Impulse, Dinge zu verändern, die sie schon länger angehen wollte. Die Beschwerden sind noch da, aber lang nicht mehr so störend. Ihre neue Lebensfreude ist für mich ein Zeichen, dass sie auf dem Weg ist, gesund zu werden.

Diesen Beitrag finden Sie in Ausgabe 1/2020


Foto: Pixabay

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