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Kolumne: Geduld – eine gesunde Tugend

Kolumne von Dr. med. Isabel Bloss, Ärztin mit eigener Praxis, Schwerpunkt Anthroposophische Medizin, Homöopathie und TCM, gibt Antworten auf Lebensfragen, mit denen sie bei ihrer Arbeit konfrontiert wird.

In meiner Praxis habe ich oft mit Situationen zu tun, die viel Geduld erfordern. Meist geht es um Erkrankungen, die nicht gleich auf eine therapeutische Intervention reagieren. Oft höre ich dann von Patienten den Satz: Da brauche ich jetzt wohl Geduld.

Ja, Geduld ist oft gefragt. Aber Geduld haben – von dulden oder er-dulden – ist schwierig. Wir sind es in der heutigen Zeit gewohnt, dass alles schnell geht, aber gerade bei Ereignissen wie einer langwierigen oder gar chronischen Erkrankung ist Geduld gefordert und wird vielleicht auf eine harte Probe gestellt.
Wie können wir Geduld wieder lernen? Wie werden wir wieder geduldiger und damit auch ruhiger und gelassener? Ich finde, Geduld hat viel mit Abwarten zu tun. Auch das ist nicht mehr in Mode. Durch die Schnelllebigkeit der Zeit, die globale Vernetzung und die schwindenden persönlichen und tiefer gehenden Kontakte sind wir sozusagen nicht mehr geübt im Geschehen-Lassen, Zuwarten und Sich-Zurücknehmen-Können. Stattdessen wird uns gesagt: Mach schneller, beeile dich. Meine Patienten kennen aus ihrem Arbeitsumfeld zunehmenden Druck, Hetze und Abgabefristen. Da muss es schnell gehen, die E-Mail muss heute noch raus, der Termin fixiert werden und so weiter. Diese Liste könnte ich noch lange fortsetzen. Jeder kennt die Themen in seinem eigenen Leben, die ihm die Geduld rauben können. Aber gerade in Zeiten von Unruhe, Hektik oder auch schwer­wiegenden Lebensereignissen ist ruhiges, bedächtiges Vorgehen oft besser als überstürztes Handeln. Denn Aktionismus und Ungeduld gehen nicht selten mit überschäumenden Gefühlen wie Wut, Angst oder Ärger einher. Damit tun wir uns nur selten etwas Gutes. Im Gegenteil. 


Ich empfehle Ihnen, den Dingen ihre Zeit zu lassen. Sich selbst und Ihren Mitmenschen im Übrigen auch. Es tut uns allen gut, wir nehmen den anderen stärker wahr und zeigen wieder mehr Rücksicht auf andere Menschen und unsere Umgebung. Wir können auch andere Denkweisen oder Ansichten erst mal
sacken lassen und müssen nicht gleich etwas erwidern. Patienten, die eine schwere Erkrankung akzeptieren können und damit umgehen lernen, wirken auf mich oft ein bisschen wie weise Menschen voller Gelassenheit, denn sie haben geduldig gelernt, Dinge zu akzeptieren, die sie (zunächst) nicht ändern können. Die Ruhe hilft ihnen, ihre Erkrankung zu bewältigen und Schritte zur Heilung zu tun.

Geduldigere Menschen haben nachweislich einen besseren Blutdruck, schlafen ruhiger und haben eine ruhigere Herzfrequenz als ungeduldige und oft gereizte Mitmenschen. Es lohnt sich also, diese Charaktereigenschaft zu kultivieren. Konkret empfehle ich Ihnen, Alltagstätigkeiten bewusst langsamer durchzuführen, ohne Hektik.

Die Natur ist übrigens einer der größten Lehrmeister für Geduld: Gerade im Spätsommer und Herbst können wir dies gut sehen­, jetzt, da die letzten Früchte reifen­ – nachdem die Pflanzen sich sozu­sagen geduldig vorbereitet und Sonne gesammelt haben.

Diesen Beitrag finden Sie in Ausgabe 5/2020



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