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Kolumne: Gelassenheit lernen

Foto: Pixabay

Kolumne von Dr. med. Isabel Bloss, Ärztin mit eigener Praxis, Schwerpunkt Anthroposophische Medizin, Homöopathie und TCM, gibt Antworten auf Lebensfragen, mit denen sie bei ihrer Arbeit konfrontiert wird.

Das Wort Gelassenheit sagt sich so leicht, und doch ist die Umsetzung im Alltag so schwer. Oft sind es die kleinen Ärgernisse, die uns unruhig machen, gereizt oder sogar wütend. Die dritte rote Ampel am Morgen, die unfreundliche Verkäuferin an der Kasse, die Kinder, die herumtrödeln, der Partner, der vergessen hat einzukaufen – die Liste der täglichen Aufreger ist lang, und jeder kennt sie. Aber wollen wir uns damit das Leben unnötig schwer machen?

Um zu lernen, gelassener zu leben und bedächtiger auf die Dinge zu reagieren, könnten wir uns zunächst auf die Ursprungsbedeutung des Wortes "Gelassenheit" besinnen: Darin steckt das Wort Lassen oder Loslassen. Darum geht es im Kern, denke ich. Um das Loslassen von Gedanken wie zum Beispiel: Das hätte er nicht tun dürfen, das hätte sie nicht sagen sollen. Dies gilt in vielen kleinen, aber auch in großen Situationen. In gewisser Hinsicht gehen wir alle mit der inneren Erwartung an das Leben heran, dass die Dinge sich so entwickeln sollen, wie wir es uns wünschen. Vieles tritt aber so nicht ein oder entwickelt sich sogar entgegengesetzt. Gerade dann ist Gelassenheit gefragt.

Ich empfehle Ihnen, für die größeren Angelegenheiten im Leben im Kleinen zu trainieren – indem Sie üben, die schlechte Laune der Kassiererin nicht persönlich zu nehmen, ihren Kindern oder dem Partner mit Nachsicht zu begegnen oder sich nicht über den dritten Tag Regenwetter zu ärgern. Wie geht das? Indem Sie sich klarmachen, dass die meisten Dinge, die täglich passieren, nicht absichtlich entstehen. Die Stimmungen und Launen unserer Mitmenschen können wir kaum beeinflussen, das Wetter sowieso nicht und viele größere Geschehnisse im Lauf unseres Lebens eben auch nicht.

Sie merken schon, das alles hat viel mit Akzeptanz und vielleicht auch mit Duldsamkeit zu tun – ein Wort, das fast gänzlich aus der Mode gekommen ist. Es geht nicht darum, grobe Ungerechtigkeiten oder Verletzungen zu (er-)dulden. Vielmehr meine ich damit, dass es sich einfach nicht lohnt, kostbare Lebensenergie mit Dingen zu verschwenden, die wir nicht ändern können. Letztlich können Sie nur Ihr eigenes Verhalten und Ihre eigene Denkweise beeinflussen. Es lohnt sich, daran zu arbeiten, denn auf die Dauer bekommen Sie einen neuen, anderen, gelasseneren Blick auf die Welt. Und dann kann es auch sein, dass die Welt anders auf Sie reagiert. Gelassenheit lässt sich noch auf eine andere Weise einüben: In der Ganzheitsmedizin ist das langsame und zentrierte Ausatmen ein guter Lehrmeister, um gelassener zu werden. Sie können das trainieren. Am besten täglich, zehn Minuten reichen schon aus. Die Regelmäßigkeit ist hierbei entscheidend. Mit der Zeit stellt sich auch in stressigen Situationen mehr innere Ruhe ein. Dies geht jedoch nicht von heute auf morgen, sondern ist ein lebenslanger Prozess.

Mit  solchen kleinen Zeiten des täglichen Innehaltens und Atmens können Sie dem Auf und Ab des Lebens mit mehr Gelassenheit und Sein-Lassen begegnen. Das wünsche ich Ihnen von Herzen.

Diesen Beitrag finden Sie in Ausgabe 3/2020



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