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Die ganze Welt ist Rhythmus

Illustration: montebasso/shutterstock.com; Komposition: Michaela Mayländer

Heraklit von Ephesos  (um 500 v. Chr.) gehört zweifelsohne zu den großen griechischen Philosophen, die unsere Sicht auf die Welt beeinflussten. Ein wiederkehrendes Thema seines Philosophierens war die Reflexion über den natürlichen Prozess beständigen Werdens und Wandels.

In späterer Zeit wurde dies auf die populäre Kurzformel panta rhei („Alles fließt“) gebracht – vom griechischen Verb rhéein wird das lateinische Wort Rhythmus abgeleitet. Die Gedanken von Heraklit greift Anfang des 20. Jahrhunderts Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, auf und entwickelt eine Rhythmologie als Verständnis für ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur. Neben einer ganzen Reihe seelischer Fähigkeiten sei, so Steiner, eine „gewisse Rhythmisierung des Lebens“ notwendig – entsprechend dem Rhythmus in der lebendigen Natur nicht nur bei Gestirnen, sondern auch bei Pflanzen und Tieren.

Jeder Organismus, so Steiner, lebe im Spannungsfeld von Aufbau und Abbau, das er nicht gleichzeitig, sondern nur abwechselnd leisten könne. Diese biologische Grundlage des Rhythmus gelte auch für den Menschen. Herz und Atemorgane etwa­ arbeiteten rhythmisch. Wachen und Schlafen, Ermüden und Regenerieren, Leistung und Erholung seien alle­samt Vorgänge, die durch ein „rhythmisches System“ in uns geordnet würden.

Steiners Thesen blieben lange umstritten. Heute wissen wir durch Forschungen zur Chronobiologie, dass praktisch alle Zellen in unserem Körper eine innere Uhr haben. Die Chronobiologie untersucht als Wissenschaftszweig der Biologie die zeitliche Organisation von physiologischen Prozessen und wiederholten Verhaltensmustern  bei Organismen.

Für den Nachweis dieser Regelmäßigkeiten und die Entschlüsselung unserer inneren Uhr bekamen 2017 die US-Wissenschaftler Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young den Nobelpreis für Medizin. Jetzt liegt ein weiterer Beweis für einen bemerkenswerten Natur-Rhythmus vor: Forscher des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf präsentierten 2019 neue Belege für die These, dass die Gezeitenwirkungen von Venus, Erde und Jupiter das Magnetfeld der Sonne beeinflussen und so den Sonnenzyklus steuern. Die Wissenschaftler verglichen historische Beobachtungen der Sonnenaktivität über die letzten Tausend Jahre. Ist dies nicht ein deutlicher Hinweis, dass die ganze Welt – wie unser Leben –  einem natürlichen Rhythmus folgt? / Dr. Frieder Stein

 

Diesen Beitrag finden Sie in Ausgabe 2/2020

 



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