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Kolumne: Lehren aus der Endlichkeit

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Kolumne von Dr. med. Isabel Bloss, Ärztin mit eigener Praxis, Schwerpunkt Anthroposophische Medizin, Homöopathie und TCM, gibt Antworten auf Lebensfragen, mit denen sie bei ihrer Arbeit konfrontiert wird.

Im Spätherbst, wenn die Blätter fallen und das Licht der Dunkelheit weicht, spüre ich, dass das Leben endlich ist und wir nicht unbegrenzt Zeit haben auf dieser Erde. Dieses Jahr wird dieser Effekt nochmals verstärkt durch die Corona-Pandemie, die uns allen die Themen Krankheit und Tod deutlich vor Augen geführt und wahrscheinlich jeden von uns in irgendeiner Form damit konfrontiert hat. Die Vergänglichkeit hat aber nicht ausschließlich Bedrohliches und Beängstigendes an sich – ich finde, es gibt gute Gründe, die herbstliche Berührung mit der Endlichkeit aus anderem Blickwinkel zu betrachten. Mir wird in solchen (Lebens-)Momenten immer wieder klar, dass die Angst vor dem Tod und der eigenen Endlichkeit auch die Frage stellt: Habe ich nicht vielleicht Angst vor dem Leben, und lebe ich das Leben, das ich leben möchte?

Wenn ich mir vorstelle, dass ich als alte Frau, die dem Lebensende nahe ist, einmal zurückblicke, dann fände ich es schön, wenn ich sagen könnte: Ja, im Großen und Ganzen habe ich gelebt, und ich habe das Leben annehmen können – in seiner Gänze, mit all seinen Höhen und Tiefen. Ich habe Zeit mit den Menschen verbracht, die mir nahe sind. Ich habe die Dinge, die ich ändern konnte, in Angriff genommen. Und umgekehrt habe ich mit den Jahren gelernt, dass ich nicht auf alles einen Einfluss habe und dass das Leben von ganz allein passiert. So würde ich das gerne sagen und sehen.

Ob es mir gelingt, weiß ich nicht, aber ich finde, mit der Haltung, dass das Leben endlich ist, lässt sich manches anders angehen und anders betrachten. Zwischenmenschliche Geschehnisse, kleine Streitigkeiten mit den Kindern, dem Partner, den Geschwistern oder Freunden und Bekannten verblassen aus dem Blickwinkel der Endlichkeit heraus. Wenn wir uns die sogenannte „Sterbebettfrage“ stellen – nämlich: Wäre das, worüber du dich gerade ärgerst, dem du nachtrauerst, im Angesicht des nahenden Todes wirklich noch so wichtig? – hilft dies ungemein.

Die Endlichkeit des Lebens bringt uns außerdem dazu, Dinge, die bisher liegengeblieben sind, anzupacken und sie nicht länger auf die lange Bank zu schieben, nach dem Motto: „Carpe diem“. Das ist leichter gesagt als getan. Wie oft vertagen wir Treffen mit Menschen, die uns lieb sind, oder Projekte, die uns reizen, die Weiterbildung, die Reise, den Tanzkurs. Immer ist etwas Anderes scheinbar wichtiger. Aber irgendwann endet unsere Lebens­reise, und dann bereuen wir das aus Bequemlichkeit, aus mangelnder Achtsamkeit Versäumte.

Aus Gesprächen mit Sterbenden ist bekannt, dass es fast immer die verpassten Chancen und Gelegenheiten waren, die die Menschen im Angesicht des Todes bedauerten. Daher möchte ich Sie ermutigen, auch im Herbst die Dinge beim Schopf zu packen und das zu tun, was Ihnen am Herzen liegt. Probieren Sie es mal aus, gerade wenn Sie wieder im Strudel des Alltags und im Herbst-Blues gefangen sind. Ich wünsche Ihnen Licht und Wärme in dieser Jahreszeit und eine Fülle erhellender Momente! Diesen Beitrag finden Sie in Ausgabe 6/2020



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